Galiziendeutsches Multiplikatorenseminar

 

Vom 21. bis 29.08.2010 fand erneut ein vom Hilfskomitee der Galiziendeutschen initiiertes Multiplikatorenseminar in Schafhausen in der Rhön statt. Dozenten und Studenten der drei westukrainischen Universitäten Lemberg (Lviv), Stanislau (Ivano-Frankivsk) und Tarnopol (Ternopil) konnten dank der Unterstützung und der Förderung des Bun­desministeriums des Inneren im Sinne der Verständigung mit den Völkern Osteuro­pas, der Sponsorin Frau Kirberg und vor allem dank des Einsatzes für dieses Treffen des Ehrensprechers der LWW, Reg. Dir. i. R. Karl Bauer, und der Mitarbeiterin der Bundesgeschäftsstelle, Christa Rollig, nach Deutschland kommen.

Die ehrenamtlich tätigen Vertrauensleute des Hilfskomitees Gertrud Krauße (Düssel­dorf), Horst Vocht (Duisburg) und Sieglinde Steiniger (Wolfsburg), unter ständiger Mit­arbeit des Vorsitzenden Oskar Wolf (Löh­ne), arbeiteten ein Programm aus, das den ukrainischen Gästen den Weg Deutschlands und der Deutschen von 1871 bis heute aus unserer Sicht vermitteln sollte, ebenso das Schicksal der Galiziendeutschen und des Hilfskomitees.

14 Studenten mit je einem Dozenten der jeweiligen Universität trafen mittags am 21.8.2010 nach 26-stündiger Fahrt in Schaf­hausen ein. Bereits am selben Tag begann das Programm. An diesem Abend zeigte H. Vocht einen Film über die deutschen Galizienreisen der Jahre 2003-2004. Die Referate hielten Dr. Martin Sprungala „Von der Kon­frontation zur Kooperation. Grundzüge der deutsch-polnischen Geschichte" und „Die Geschichte Deutschlands und des deutschen Volkes 1871-1945". Dr. Christofer Zöckler behandelte „Die Geschichte der Bundes­republik Deutschland 1945-1990", Dr. R. Lenz die der DDR zur gleichen Zeit und Dr. Gerhard Schmalenberg über das wiederver­einigte Deutschland vom Mauerfall bis zur Wiedervereinigung.

Zur Vertiefung der Thematik wurden der Point Alpha an der deutsch-deutschen Grenze besichtigt, der Erfurter Landtag be­sucht, wo die ukrainischen Gäste mit Ver­tretern der Parteien diskutieren konnten, gefolgt von einem erschütternden Besuch der Gedenkstätte KZ Buchenwald bei Wei­mar. Aber auch die Kulturstadt Weimar mit dem Nationaltheater, in dem 1919 die Verfassung der Weimarer Republik begründet wurde, konnte von den ukrainischen Gästen entdeckt werden. Weiterhin war das Ver­lagshaus der Meininger Zeitung zu besich­tigen, gefolgt von einer Diskussion über die Pressefreiheit. Weitere Ausflugsziele waren die Theaterstadt Meiningen mit dem Schloß Elisabethenburg und die thüringische Lan­deshauptstadt Erfurt.

Über die Geschichte der Galiziendeutschen referierten Dr. Helmut Kurz „Der Weg der Galiziendeutschen 1782-1939" und über das Hilfskomitee Oskar Wolf und Frau Krauße erzählte von ihrem galizischen Heimatdorf Landestreu (heute Selenyj Jar, Oblast Ivano-Frankivsk).

Auch die ukrainischen Gäste steuerten Vorträge bei. Drei Lemberger Studentinnen berichteten über die Karpaten, die Freizeit­gestaltung der Jugendlichen in Deutschland und der Ukraine und die „weiße Sklaverei in Lviv", d. h. über zur Prostitution ge­zwungene Ukrainerinnen und ihre Zuhälter. Die Dozenten hielten ebenfalls Vorträge: Galyna Shatska (Ivano-Frankivsk) über die historisch-linguistische Analyse der ukrainisch-deutschen Sprachkontakte in Galizien, Nataliya Vystra (Ternopil) über ukrainisch-deutsche Beziehungen aus na­tionalethischer Sicht und Prof. Dr. Bohdan Maxymchuk (Lviv) hielt eine Vorlesung über die Linguistik der deutschen Sprache vom Althochdeutschen zur Romantik.

Den krönenden Abschluss des Seminars bildete ein ukrainischer Abend, den die Gäste ausrichteten und ihre deutschen Gast­geber mit allerlei köstlichen Gerichten aus ihrer Heimat, mit Gesängen und Tanz, Dan­kesworten und Gaben für die Veranstalter beschenkten.

 

Nach dem Bericht von Siglinde Steininger, aus dem Heiligen Band, Nr. 10/2010.