21. Galiziertreffen in Kütten

 

Seit mehreren Jahren macht Pfarrer Gaden zum Beginn des Galiziertreffens den Teilnehmern Mut zum Weitermachen, nicht nur zur Erinnerung an alte Zeiten, sondern auch zum Erhalt der Gemeinschaft der Galiziendeutschen in Gegenwart und Zukunft. Vielleicht ist es sein Verdienst, dass dieses Mal die Küttener Dorfkirche voll war und am Ende des Treffens 65 Teilnehmer gezählt wurden, mehr als beim letzten Mal. Schon zum dritten Mal waren Gäste aus den USA dabei, deren Vorfahren aus Bruckenthal stammen und die wieder einmal mit entfernten Verwandten reden konnten.

Dass bestimmende Thema des Küttener Treffens 2018 war die Galizienreise des Hilfskomitees der Galiziendeutschen, die erst eine Woche zurücklag. Nach einleitenden Informationen zeigte Werner Kraus Fotos von wichtigen Stationen der Busreise. Von Lemberg ausgehend, über Czernowitz, Kolomea, Ivano-Frankivsk und Drohobyc, endete die Reise wieder in Lemberg. Ausführlicher dargestellt wurde die Einweihung des Denkmals auf den Friedhof von Münchenthal und der Besuch am Gedenkkreuz in Wiesenberg.

Der Kanadier Brian Lenius ist seit Jahren ständiger Besucher im Ort seiner Vorfahren. Vorwiegend auf eigene Kosten hat er ein 4 ½ m hohes Denkmal auf dem Friedhof von Münchenthal errichten lassen. Die feierliche Einweihung des Denkmals erfolgte jetzt durch einen römisch-katholischen Priester, begleitet von griechisch-katholischen und orthodoxen Geistlichen. Etwa 15 Deutsche aus der Reisegruppe des Hilfskomitees, ebenso viele Kanadier und etwa 100 Ukrainer aus dem Dorf waren an dieser Feier beteiligt.

In der Nähe von Wiesenberg wurde noch zu Österreichs Zeiten zum Gedenken an Kämpfe im Ersten Weltkrieg ein Kriegerdenkmal für etwa 100 gefallene österreichische und russische Soldaten errichtet. Dieses Denkmal war in der Sowjetzeit zerstört worden ohne Spuren zu hinterlassen. Seit 2016 steht an dieser Stelle ein großes Kreuz mit einer Gedenktafel. Mit dem Denkmal und mit der Geschichte Wiesenbergs beschäftigen sich jetzt sogar die für Kultur und Tourismus zuständigen Stellen in Lemberg und in der Kreisstadt Shovkwa.

Eine wichtige in Lemberg gestellte Frage wurde an die Teilnehmer des Treffens weitergegeben: Hat Jemand noch Bilder oder Beschreibungen des ursprünglichen Denkmals vom Steinkopf in Wiesenberg? Diese Frage richtet sich auch an die Leser im Internet.

Werner Kraus war bemüht, nicht nur die Stätten der Erinnerung ins Bild zu bringen, sondern auch die Bedeutung der Stadt Lemberg als Touristenziel zu betonen, auch mit Einblicken in das prächtige Opernhaus. Nicht zu übersehen war, dass sich das Land im Kriegszustand befindet. In Kirchen und auf öffentlichen Plätzen stehen Tafeln mit Bildern von gefallenen Soldaten aus der Region. Dennoch ist der Westen der Ukraine, das ist Galizien, ein sicheres Land wie jedes andere Land in Europa. Dieser Reisebericht wurde ergänzt durch Bilder und Berichte von Dr. Dieter Schäfer, der auch die Reisestationen Kiew und Odessa vorstellte.

Das Mittagessen war bei der Fleischerei Graupner aus Teicha bestellt worden. Für die Einrichtung des Saales und für die Bereitstellung von Kaffee und Kuchen sorgten fleißige Frauen aus Kütten, von denen stellvertretend Frau Füssel und Frau Wiese genannt werden sollen.

Wie bereits beim Treffen 2017 wurde nach dem Mittagessen versucht, an die Tradition der Jugend in Galizien vor 1939 anzuknüpfen. Damals wurden mit Begeisterung deutsche Volkslieder gesungen, wie ein handgeschriebenes Liederbuch aus Wiesenberg beweist. In Kütten sollte mit Gesang an diese Kultur der Auslandsdeutschen erinnert werden, damit alle Deutschen mit oder ohne Migrationshintergrund das Volkslied als wichtiges deutsches Kulturgut begreifen.

Die Sammlung zur Deckung der Unkosten einschließlich Mittagessen erbrachte 775 Euro. Auch das Hilfskomitee soll am Ergebnis dieser Sammlung beteiligt werden.